EinBlick ins Gehirn

Wir stellen Ihnen eine neue Rezension von Christopher Kahl vor:

EinBlick ins Gehirn - Moderne Bildgebung in der Psychiatrie

Braus 2004, Thieme Verlag, Stuttgart/D

Bild aus dem Thieme Verlag 

Die sprunghafte Entwicklung der klinischen Neurowissenschaften in den letzten Jahren, nicht zuletzt dank der neuen Techniken imBereich hochauflösender funktioneller Bildgebungsverfahren, ermöglicht den schärferen (Ein-) Blick in die Funktion des Gehirns und versucht, die Prinzipien der Arbeit des Nervensystems besser zu verstehen.

Entstanden ist das lesefreundliche Werk aus einem Kompaktseminar, das zum Ziel hatte, eine Einführung und eine aktuelle Standortbestimmung zur modernen Psychiatrie zu bieten; es will einführen, thematisieren, erklären und suchen.

Die mittlerweile unüberschaubar grosse Anzahl der Bildgebungsstudien in der Psychiatrie veranlasste den Autor, sich auf wenige, aber sehr wesentliche, hochrangig publizierte Arbeiten zu stützen und diese als Grundlage für eine spannende und verständliche Auseinandersetzung mit selektiven Themen zu nehmen.

Die Kapitel:

  • Entwicklung und Funktion der Bildgebung in der Psychiatrie
  • Neuroanatomie: ›Für die Psychiatrie wichtige Solisten im Konzert der Hirnfunktion›
  • Plastizität
  • Methoden zur Darstellung der Hirnfunktion und Biochemie
  • Aktuelle Aspekte der Bildgebung in der Psychiatrie
  • Bildgebung und Psychopharmaka inkl. Plazeboeffekt
  • Zusammenfassung und Ausblick
  • Sachverzeichnis

Im Anschluss an die 112 kompakten Seiten folgt das übersichtliche Sachverzeichnis. Jedes einzelne Kapitel beginnt mit einem prägnant gewählten Zitat und endet mit sehr ausführlichen und hilfreichen Literaturangaben für den darüber hinaus interessierten Leser.

Didaktisch hervorragend sind zum einen die Auswahl und Plazierung der Aufnahmen, prioritär aus der modernen Bildgebung, zum anderen verdeutlichen Graphiken und Tabellen eindrucksvoll und klar das Gelesene und sprechen verschiedene Kanäle beim Betrachter an; der äusserst komplexe Inhalt wird ungleich besser aufgenommen und behalten als bei der Bedienung etwa nur eines Kanals.

Fazit: für den Psychiater ein Muss, für fachkundige interessierte Leserinnen und Leser aus den Bereichen Medizin, Pädagogik, Psychologie, Soziologie und Biologie stellt dieses Buch eine wertvolle Basis zur Erkundung eines faszinierenden und höchst innovativen Kapitels der Neurowissenschaften dar. 

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Weitere Rezensionen von Christopher Kahl auf lernundenter 

Fehlbildungen und frühkindliche Schädigungen des ZNS

Christopher Kahl hat für uns ein neues Buch rezensiert:

Fehlbildungen und frühkindliche Schädigungen des ZNS

(Jansen et al. 2007, Thieme Verlag, Stuttgart/D)

Rezensent: Christopher Kahl, Lehrer und Autor, Joggelacker 11, 5210 Windisch

Dieses kürzlich erschienene Werk beschäftigt sich mit angeborenen oder frühkindlich erworbenen Hirnläsionen. Insofern erweitert sich der Kreis der Adressaten im speziellen um den der Neuropädiater; aber auch Radiologen und Neurologen nehmen sich der bereits erwähnten Hirnläsionen an und versuchen, auf der Basis der Schnittbilddiagnostik -und insbesondere der MRT- eine ätiopathogenetische Zuordnung resp. deren klinische Bedeutung zu verifizieren. So ist der Stellenwert der dokumentierenden Bildgebung in Form zahlreicher Abbildungen hoch. Die Kenntnis der normalen Hirnentwicklung und deren Störbarkeit ist für den Diagnostiker, aber noch mehr für den Kliniker eine wesentliche Voraussetzung, um die pathologischen Entwicklungen zu kennen - und zu erkennen.

Fehlbildungen und frühkindliche Schädigung des ZNS

So beginnt das Buch mit einem alphanumerischen, strukturierten Abkürzungsverzeichnis und geht gemäss der Referenz-Reihe Neurologie (RRN) in ein übersichtlich gestaltetes Inhaltsverzeichnis über. Dessen Kapitel folgen dem Leitsatz des raschen Zugriffs auf wesentliche Daten und Informationen. Jedes dieser 10 Kapitel zeigt wichtige Merksätze resp. Besonderheiten in blauer Absetzung. Tabellen, radiologische Aufnahmen und Illustrationen sind sinnvoll abgestimmt und selektiv platziert. Prägnante Literaturangaben beschliessen jedes einzelne Kapitel.

Die 10 Kapitel in ihrer Übersicht:

  1. Normale Entwicklung des Zentralen Nervensystems
  2. Fehlbildungen des Schädels und des Gehirns
  3. Fehlbildungen des Rückenmarks und der Wirbelsäule
  4. Gefässmissbildungen des ZNS im Kindesalter
  5. Hydrozephalus
  6. Neurokutane Erkrankungen
  7. Stoffwechselstörungen im Kindesalter
  8. Folgen frühkindlicher Zirkulationsstörungen und Hypoxien
  9. Folgen neurotraumatologischer Schädigungen im Kindesalter
  10. Entzündungen des ZNS im Kindesalter

Die 222 Seiten enden in einem ausführlichen Sachverzeichnis. Die komplexen Zusammenhänge werden dem Leser in Form eines Leitsystems dargebracht, und er bleibt bei der Lektüre.

Das Buch hat den Anspruch der Tauglichkeit in der klinischen Praxis und dient dem Verständnis und der vertiefenden Information über Aspekte der Neurologie des Kindes in seinen komplexen Entwicklungsstadien. Und diesem Anspruch wird es vollumfänglich und in sehr verständlicher Art gerecht.

Der Physiker Stephen Hawking meinte zur Lesbarkeit eines Buches:

Jede mathematische Formel in einem Buch halbiert die Verkaufszahl dieses Buches.

Christopher Kahl, im Juli 2007

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weitere Rezensionen von Christopher Kahl

Gerontoneurologie - eine Rezension

Gerontoneurologie

Deutschl et al. 2006, Thieme Verlag, Stuttgart / D

Rezensent: Christopher Kahl, Lehrer und Autor, Joggelacker 11, 5210 Windisch

Im vorliegenden Band der Referenz-Reihe Neurologie (RRN) handelt es sich um das erste Neurogeriatrie-Buch im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die Verbindung von Neurologie, einer klassischen medizinischen Disziplin, mit einer soziologischen, der Gerontologie, ist neu.

Gerontoneurologie

Die Bevölkerung Westeuropas altert und überaltert rapide, und Krankheiten des höheren resp. hohen Lebensalters fordern einen veränderten Fokus auf gerade die Neurologie des letzten Lebensabschnittes. Alte Menschen haben besondere biologische Voraussetzungen wie z. B. eine veränderte Resorption und einen dementsprechend herabgesetzten Metabolismus von Medikamenten; die erhöhte Komorbidität ist ein ebenfalls beachtenswerter Faktor.

Den formalen Kriterien der RRN folgend stehen im ersten Teil des Buches Syndrome, Phänomene und Erkrankungen im Vordergrund, der zweite Teil beschäftigt sich mit den allgemeinen Therapieverfahren und geht in die gerontoneurologischen Grundlagen über.

Mehr zum lesenswerten Sachbuch auf lernundenter: Rezension 03 - Gerontoneurologie

Mehr zu Christopher Kahl auf lernundenter: Rezensionen

Zu seinen bisherigen Rezension im Blog

 

Klinische Neuroanatomie - eine Rezension

Klinische Neuroanatomie und kranielle Bilddiagnostik - Atlas der Magnetresonanztomographie

Kretschmann et al. 2007, Thieme Verlag, Stuttgart/D

Rezensent: Christopher Kahl, Lehrer und Autor, Joggelacker 11, 5210 Windisch

Der vorliegende Atlas über die klinische Neuroanatomie und kranielle Bilddiagnostik überzeugt schon beim ersten Durchsehen der kartonierten Sonderausgabe ob seiner sehr übersichtlichen und farblich abgesetzten Gestaltung.

Klinische Neuroanatomie und kranielle Bilddiagnostik

Die Einführung in die Schichtbilddiagnostik bereitet den interessierten Leser auf die komplexen Zusammenhänge in den weiteren Kapiteln optimal vor. Der Atlasteil (frontale, sagittale, kanthomeatale und Hirnstamm-Schichtungen) baut auf jenem vorherigen Wissen über die Diagnostik auf und zeigt in didaktisch hervorragender Art und Weise die Originale eines MR-Bildes und dessen Korrespondenz mit den zugehörigen Schnittebenen in den Zeichnungen. Die anschliessenden Kapitel

  • Topographie des Gesichtsschädels und seiner Räume in multiplanaren Parallelschichten
  • Topographie des Kopf-Hals-Bereiches in multiplanaren Parallelschichten
  • Topographie des Hirnschädels und seiner intrakraniellen Räume und Strukturen in multilplanaren Parallelschichten

beschreiben spezifische Serienbilder der einzelnen fokusierten Themata. Die farbliche Hervorhebung der Besonderheiten in den Serienaufnahmen erleichtert das Verständnis der anatomischen Gegebenheiten.

Im Kapitel Neurofunktionelle Systeme stehen die sensiblen Systeme den motorischen Systemen mit wichtigen klinischen Hinweisen ergänzend gegenüber. Auch hier sorgt die Schichtbilddiagnostik in eindrucksvoller Weise für ein grundlegendes Verständnis der topographischen Neuroanatomie. Zuletzt beschliesst die Topik der Neurotransmitter und Neuromodulatoren den Reigen der Kapitel und verbindet die funktionale Neuroanatomie mit den Grundlagen der Neurophysiologie. Im Anhang finden sich neben einem ausgiebigen und selektiven Literatur- auch ein derartiges Sachregister, die den raschen und direkten Zugang zum ganzen Spektrum zulassen.

Zu empfehlen ist dieses kompakte Lehr- und Lernbuch jedem, der sich beginnend oder vertiefend mit komplexen Themen der Neuroanatomie, der Neurophysiologie resp. der Neurorehabilitation beschäftigt, sei es in der Funktion des Lehrers in der Theorie und der Praxis, des Dozierenden oder des wissenschaftlich Interessierten.

Dieses Buch mit 451 wissensschweren Seiten lässt sich bestens durch ein Zitat Albert Einsteins aus dem Jahre 1929 schliessen:

Nicht auf Personen kommt es an, sondern auf Werke im Dienste der Gemeinschaft.

Christopher Kahl, im Juni 2007

Bild: Thieme