Ethics of imperfection
Review von Johanna Shapiro, Departement of Family Medicine, University of Carlifornia, Irvine - School of Medicine, Irvine, California, USA (12.3.2008) für PEHM (Philosophy, Ehics, and Humanities in Medicine).accept that we are all wounded, all imperfect, and we all share our difference from each other with each other. S. 8
Eine der wichtigsten Aufgaben von Fachpersonen im Gesundheitswesen ist das Beibehalten und Fördern von Empathie gegenüber Patienten und Patientinnen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Empathie während der Ausbildung eher ab- als zunimmt. Diese Arbeit schlägt die Notwendigkeit eines erkenntnisorientierten Paradigmas vor, das Studierenden hilft, Toleranz für ‹Imperfection› (Unvollständigkeit) für sich selbst und andere zu entwickeln, geteilte emotionale Verletzlichkeit zu akzeptieren und gleichzeitig die Existenz von Verschiedenheit anzuerkennen.
Inhalte der Arbeit:
- Empathie wird als Schlüsselkompetenz, als Teil von Professionalität (Accreditation Council for Graduate Medical Education) für Gesundheitsfachpersonen betrachtet. Trotzdem zeigen evidenzbasierte Quellen, dass Empathie wärend der Ausbildung abnimmt. Studierende distanzieren sich vom kranken Gegenüber.
Wahre Empathie gegenüber PatientInnen zu kultivieren, scheint komplizierter und schwieriger durch Training beeinflussbar zu sein.
Die Autorin postuliert, dass tiefliegende Wurzeln, symbolisch über Krankheit und Tod zu denken und was Kranke und Gesunde unterscheidet, Barrieren bilden und den Ausdruck von Empathie verunmöglichen. Sie denkt, dass es komplementäre und kreative Wege im Unterricht benötigt, die die ‹nebulöse› und oft angsterzeugende Grenze zwischen Fachperson und PatientInnen neu beleuchtet. - kulturelle, philosophische und soziale Komponenten: Osten / Westen, moderne Medizin, in welcher Angst und Verletzlichkeit keinen Platz haben, Patienten sind eher Objekte und Aufgabe als Wesen, die man/frau kennenlernen soll
- ‹Othering› in Verbindung zu Gesundheit und Krankheit.
Der Begriff ‹Othering› engl. other, (andersartig) bezeichnet die Differenzierung und Distanzierung der Gruppe, der man sich zugehörig fühlt (Eigengruppe), von anderen Gruppen. Quelle: Wikipedia - Othering der kranken Person
- Suche nach komplementären theoretischen Zugängen, um Empathie zu fördern
- Ethics of imperfection (David Morris): Akzeptanz der limitierten Kontrolle, die wir im Leben haben. Menschen müssen lernen, Verletzlichkeit zu akzeptieren. Es bedeutet ebenfalls, Gedanken von Philosophen wie Ricoeur, Buber und Levinas zu integrieren: Menschen sind gleichzeitig fähig und verletzlich. Selfhood and Otherness (eigene Persönlichkeit und das Anderssein) können nicht getrennt betrachtet werden)
- Konsequenzen für eine Einbindung von ‹Ethics of Imperfection› in die Bildung: Zusätzlich zu positiven Rollenmodellen (die den grössten Einfluss auf das Lernen von StudentInnen haben) sollen in einem Curriculum fokussiert werden: Selbst und Andere, Umgang mit schwierigen Emotionen speziell Angst, Ängstlichkeit, das Bedürfnis, sich von Tod, Zerfall zu distanzieren und das Annehmen und der Umgang mit medizinischen Grenzen
- Methoden: reflektive Praxis, kleine Diskussionsgruppen, Interaktionen mit PatientInnen, die auf den Patienten, die Patientin als Lehrer/Lehrerin fokussieren und nicht nur auf die Symptome der Krankheit, sondern auf das subjektive Erleben der Krankheit, Studium der Philosophie wie Ricoeur, Buber und Levinas. Diese Themen sollten nicht nur am Rande thematisiert, sondern ins Zentrum der Ausbildung gestellt werden.
- Im grafischen Modell ‹Helping sick other› stellt sie professionelles unprofessionellem Verhalten gegenüber.
- Die Zusammenfassung ist sehr ausführlich. Kernpunkte sind:
Imperfektion mit Toleranz, Mitgefühl and Anerkennung zu lernen und zu akzeptieren verlangt die Fähigkeit, Beide (Patient und sich selbst) mit frischen Augen, ohne vorgefasste Ideen, mit Neugier und ‹Caring› zu sehen. Sie verlangt Präsenz mehr als Urteil. ‹Ethic of Imperfection› könnte uns helfen, Gemeinsamkeiten mit Leiden Anderer zu erkennen und zu entdecken, mehr als abzuwehren und davor zu flüchten.
lernundenter: ausgezeichnete Arbeit, ausführliches Literaturverzeichnis. Die grafische Darstellung des Modelles vereinfacht das Verstehen. Das Modell der ‹Ethik der Unvollständigkeit› ist hilfreich für die eigene Haltung. Die abschliessenden Gedanken der Autorin fassen eindrücklich zusammen, was die Auseinandersetzung mit ‹Ethics of Imperfection› verlangt und ermöglicht.
Tags: Empathie, Ethik, Ethics of imperfection, Pflege




